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Verfasst von Walter Dürig
Abschreckung oder
Abwehr
Gedanken zur
Verteidigung des Westens
1960, Rheinische
Verlags-Anstalt, Wiesbaden
(Übersetzung der
englischen Originalausgabe «Deterrent or Defense»)
Aus dem Inhalt
Ende des
«Volkskrieges» durch die Atomwaffen
Mit der
Wasserstoffbombe den Sieg erringen zu wollen ist nach Liddell Hart
unsinig. Er betrachtet einen nuklearen Krieg als Selbstmord. «Sich
als Ziel einen «Sieg» oder das «Gewinnen eines Krieges» zu setzen,
ist nahezu wahnsinnig. Der totale Krieg mit Atomwaffen bedeutet das
Ende von Freund und Feind».
Die Kriegskunst, wie
sie zu den Zeiten von Napoleon und Clausewitz und bis zu Hitler und
Churchill entwickelt und praktiziert wurden, gehört deshalb «zum
alten Eisen.
Strategie der
massiven Vergeltung
Im August 1953
erfolgte die erste Testexplosion einer sowjetischen
Wasserstoffbombe.
US/NATO-Konzept 1953
(für Hart «konfuses Denken auf höchster Ebene»):
-
Massive Vergeltung
gegen die Sowjetunion mit Bombern als Waffenträger.
-
Taktische
Atomwaffen gegen sowjetische Invasion.
-
Eindämmung der
sowjetischen Expansion durch Abschreckung.
Die Explosion der
ersten US.- Wasserstoffbombe am 1.3.54 im Bikiniatoll hat zum
strategischen «new look» der USA beigetragen:
Bei der Suezkrise
von 1956 agierten Grossbritannien und Frankreich viel zu langsam,
die USA distanzierten sich und die Sowjets drohten, was zum Abbruch
der Operationen führte.
Gründe für das «missile
gap» der USA:
August 1957
Sowjetunion testet interkontinentale Trägerrakete.
02.01.1959 Die
Sowjetunion schickt Rakete zum Mond.
Oktober 1957:
Sowjetunion schiesst den Satellit Sputnik in eine Erdumlaufbahn
Die Luftwaffe allein
genügt als Mittel der Abschreckungsstrategie nicht mehr. Das
Nuklearmonopol der USA ist beendet.
Strategie der
abgestuften Abschreckung
Die Strategie der
abgestuften Abschreckung hat die Strategie der massiven Vergeltung
abgelöst.
Hart beschreibt die
unvorstellbare Vernichtungskraft der nuklearen Waffen und die
Aussichtslosigkeit der Raketenabwehr. Er betrachtet die taktischen
Nuklearwaffen wegen der Eskalationsgefahr als sehr problematisch.
Kriege unter der
Nuklearschwelle
Die Nuklearstrategie
führt zu begrenzten Kriegen unter der Nuklearschwelle:
Neue Strategien
Neue Strategien sind
nötig (siehe Beaufre).
Hart befürwortet
«kleinere Atomwaffen», macht aber auf das grosse Problem einer
möglichen Eskalation aufmerksam. Er befürwortet die Entwicklung
«humaner» chemischer Kampfstoffe. Die Ächtung der chemischen Waffen
basiert nach seiner Beurteilung auf unehrlichen Kriterien.
«Es ist ein
gefährlicher Traum, von Panzerdivisionen zu schwärmen, die unter
einem vom Feind beherrschten Himmel oder angesichts der Atomwaffe
massiert operieren und konzentrierte Schläge austeilen Wir müssen
das Prinzip der «fliessenden Kampfverbände» als Gegenstück zu der
alten Interpretation des Begriffs «Konzentration» begreifen und eine
neue Technik kontrollierter Streuung entwickeln».
Hart stellt sich
darunter Kampfgruppen vor, die alle wesentlichen Elemente für den
Kampf im Verbund umfassen. Als bestes Modell betrachtet er die
US-Marines. Eine Amphibienstrategie, verbunden mit Lufttransport
betrachtet er als wichtig und notwendig. Dem Kampfpanzer und der
Fähigkeit zum Nachtkampf räumt er für die Zukunft einen hohen
Stellenwert ein.
Politische
Alternativen
• Passiver
Widerstand – Hart glaubt nicht daran. Allerdings «wäre es für
Grossbritannien klüger, auf Atomwaffen zu verzichten».
• Neutralität –
«Neutralität ist keine heroische Haltung. Doch für ein kleines Land
mag sie sich besonders im Atomzeitalter als vernünftig erweisen».
• Disengagement
– Atomwaffenfreie Zonen zwischen den Blöcken könnten eine mögliche
Lösung darstellen.
Internationale
Streitmacht
Hart befürwortet die
Aufstellung einer internationalen Streitmacht, welche die Kontrolle
über alle Nuklearwaffen als Schritt zur Abrüstung ausübt.
Der Weg zum Frieden
Römer: Wenn Du den
Frieden willst, bereite den Krieg vor.
Hart: Wenn Du den
Frieden willst, verstehe den Krieg.
«Friedenspläne sind
oft nicht nur unerreichbar, sondern auch gefährlich».
Die Verhältnisse
ändern sich. Frieden braucht viel Zeit, Geduld und Verständnis
(siehe auch Beaufre).
«Eine kriegsgeladene
Atmosphäre kann sich auf zwei Arten entladen. Wenn es gelingt, den
Krieg zu vermeiden, ohne dass einer kapituliert, ist dies die
bessere der zwei Arten».
Indirekte Strategie
Liddell Hart hat in
einem Buch über «Strategie» das indirekte Vorgehen beschrieben:
Zerstörung des psychischen und physischen Gleichgewichts des Systems
als entscheidendes Vorspiel zum Sieg. |