EINSTRICHBILDER

von Gian Gross

 
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GIAN GROSS

Gian Gross, geboren 10.08.1922, verstorben am 6. Februar 2012, wohnte in Marbach (SG) im Rheintal. Als Architekt wirkte er in Davos. Zufällig ist er auf die Idee der «Einstrichzeichnung» gekommen. Er hat in dieser einmaligen Technik eine grosse Meisterschaft entwickelt, was die Beispiele in der Bildergalerie zeigen. 
Picasso hatte die Idee, Zeichnungen in einem Strich darzustellen, hat sich dabei aber Überschneidungen der Linien erlaubt.
Gian Gross war diesbezüglich sehr streng. Er zeichnet seine Figuren ohne jede Überschneidung. In dieser Beziehung ist er ein unerreichter Könner.

Gian Gross am 7. Juli 2007; Videoclip    weiter

bulletGian Gross und der Turmbau zu Babel (.pdf-Dokument 1MB)    weiter
bulletEin spezieller Gruss von Gian Gross an die Websitebesucher    weiter
bulletTexte zu Gian Gross   weiter
bulletArtikel in der Rheintalischen Volkszeitung vom 2. Mai 2007   weiter
bulletAnsprache von Rudl Lässer vom 23. September 2003    weiter

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Ansprache von Angelika Rieger anlässlich der

Vernissage einer Ausstellung von Gian Gross

vom 5. September 2008 im Stellwerk in Heerbrugg.

Künstler und Architekt

Als Gian Gross mich bat, die Laudatio für seine Vernissage zu halten, war ich überrascht. Denn ich kenne ihn noch nicht so lange. Kennengelernt habe ich ihn erst im letzten Jahr. Anlässlich einer bevorstehenden Ausstellung durfte ich einen journalistischen Beitrag schreiben. Als wir einen Termin vereinbarten, hat mir Gian Gross am Telefon seine Schaffensweise erklärt. Doch erst als ich in sein Haus kam, wurde mir klar was er meinte als er sagte, er mache «Einstrich-Bilder"» – one line. Ich war von Anfang an fasziniert, konnte nicht umhin, die Präzision zu bewundern, die auf den ersten Blick erkennbar ist. Scheinbar unendliche Linien winden sich auf dem Papier. Mal verlaufen sie parallell zu einander, bilden mit ihren Spiralen und Kreisen Labyrinthe und Irrgärten. Dann wieder formen sie sich zu Landschaften, bringen Häuser, Bäume, Pflanzen und Tiere hervor. Dann die Kreativität, die unschwer erkennen lässt, was für ein Mensch Gian Gross ist: Ein Romantiker, einer der Visionen hat und diesen Visionen in seinen Bildern Ausdruck verleiht. Aber auch einer, dem der Schalk im Nacken sitzt und der dem Leben eine positive Einstellung abgewinnt. All dies – liebe Gäste – werden Sie in seinen Bildern erkennen.

«Der Weg ist das Ziel», heisst es – und bei den Einstrichbildern von Gian Gross kommt dieses Sprichwort im wahrsten Sinne des Wortes zur Anwendung. Einstrich – one line – das heisst nichts anderes, als von einem Punkt beginnend in einer Linie, ohne Überschneidungen, ohne Kreuzungen, ein Bild zu zeichnen. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht. Es braucht eine Strategie, immer die Idee vor Augen, ohne innezuhalten, stets mit höchster Konzentration den Plan verfolgen, der im Kopf existiert. Um solch kompakte Welten darstellen zu können, Welten, in denen es an Symbolen und Fabelwesen ebenfalls nicht fehlt, braucht es neben dem strategischen Vorgehen, neben dem kreativen Umsetzen auch jede Menge Fantasie. Dass es Gian Gross an Fantasie nicht mangelt, erkennen sie, wenn Sie durch die Ausstellung gehen. Sie sehen Erinnerungen und Traumbilder, der Wirklichkeit Abgeschautes und Ausgedachtes. Viele Bilder sind koloriert, von weitem sehen sie aus wie gemalt. Wenn Sie näher treten, sehen Sie die Linien und werden vielleicht versucht sein, den Anfang und das Ende zu suchen. Es gibt aber auch Bilder, in denen Gian Gross der Farbe Grenzen setzt: in seinen vier – oder sogar siebenfachen Einstrich-Bildern bildet jeder Strich eine geschlossene Linie – ohne Anfang oder Ende.

Gian Gross ist Architekt von Beruf und hat als solcher seine Handschrift hinterlassen. In Davos durfte er viele bekannte Bauten realisieren. Leider weniger seinen Visionen entsprechend, wie er sagte, sondern getreu den verlangten Massstäben und Vorgaben. Die Bauten werden ob ihrer baulichen Gestaltung heute noch gerühmt: die Pischa-Berg- und Talstation, die Parsennbahn-TalStation und Parsennwohnhäuser. In der näheren und weiteren Umgebung von Davos hat Gian Gross beruflich viel geleistet. Das letzte grössere Projekt war die ortsgestalterisch gelungene Uberbauung Gadenstadt Frauenkirch mit sieben ganz individuell konzipierten Häusern inklusive Dorfplatz. Das Haus in Marbach, in dem Gian Gross seit 18 Jahren wohnt, hat er selbst entworfen.

Sie sehen: Gian Gross war und ist heute noch ein viel beschäftigter Mann. Trotzdem hat er Zeit gefunden, sich seinen Hobbys zu widmen: Neben dem Zeichnen und Malen war es das Fotografieren und Basteln. Seine Visionen hat er mit seinen Bildern verwirklicht. Hier hinterlässt er als Künstler seine Handschrift. Da malt er Kirchen und Generationenhäuser, Landschaften, ja ganze Dörfer in einem Stil, den ihm keiner nachmacht. Sein Bild mit dem Titel „Hügelstadt" ist ein wohl schwierigstes Werk. Sie sehen das Bild hier in der Ausstellung. Es basiert auf einem architektonischen Entwurf, den Gian Gross als Einstrich-Bild umgesetzt hat.

Künstler und Architekt: Das eine geht nicht ohne das andere. Denn die technische Präzision, wie sein Beruf sie erfordert, braucht es für diese Art von Kunst. Als Architekt hat Gian Gross am Reissbrett seine Entwürfe gemacht – heute ist das kaum mehr vorstellbar. Für die künstlerische Umsetzung seiner Einstrichbilder braucht es kein Reissbrett. Doch es braucht eine sichere Hand, da Gian Gross auf den Einsatz von Hilfsmitteln wie Lineal oder Zirkel verzichtet. Kein Zittern, keine Unachtsamkeit darf er sich bei seinen Ausführungen erlauben. Es ist ein kontinuierliches Vorwärtsstreben – und Gian Gross ist dabei immer auf der Hut, dass er sich nicht in seinem eigenen Bildern verfängt, dass er eine Möglichkeit offen lässt, den Stift in eine andere Richtung zu lenken.

Gian Gross malt seit bald 70 Jahren. Da hat sich einiges angesammelt. Wenn Sie durch die Ausstellung gehen, sehen Sie auch einige Aquarelle, die er ebenso fantasievoll gestaltet wie die Einstrich-Bilder. Sie sprechen für sich.

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